2012-11-21

Ozean






Woher kommt diese Traurigkeit in mir?
Dieser große, schwarze Ozean aus Traurigkeit.

Manchmal habe ich das Gefühl ich ertrinke in ihm.
Ich sinke auf den Grund, Stille umgibt mich.
Es ist die Art von Stille, wenn jemand vor Schreck den Atem anhält und verstummt.
Man hört nur das Knacken und Rauschen des eigenen Blutes in den Ohren, spürt den eigenen Puls im Kopf, wie er gleichmäßig gegen die Schädeldecke schlägt.
Dort, tief auf dem Grund, spüre ich jedes meiner Körperteile.
Ich spüre wie die Kälte der riesigen Wassermassen, die mich umgeben, in mir aufsteigt und mir die innere Kälte verleiht auf die ich nicht immer stolz bin.
Für die ich mich manchmal hasse.

Bis jetzt konnte ich immer wieder kurz auftauchen um Luft zu holen, sonst wäre ich wohl erstickt in der Traurigkeit, diesem tiefen unergründlichen Meer in mir.
Manchmal stelle ich mir die Frage ob das das schlimmste wär.
Was kommt nach dem Tod?
Ist es nicht Schwachsinn vor etwas so natürlichem Angst zu haben?
Irgendjemand hat mal gesagt “Im Tod sind wir alle gleich!“
Im Tod sind wir alle gleich
Der Tod ist das, was uns zu dem macht was wir sind.
Der Tod schenkt den Menschen das, wonach sie oft vergeblich suchen:
Identifikation mit anderen.
Der Mensch ist nicht dazu geschaffen um allein zu sein.
Der Tod ist das Verbindungselement zwischen den Menschen.
Man trauert zusammen, man vermisst einander.
Der Tod ist die große Gemeinsamkeit der Menschen, die aus einzelnen Individuen eine große Gruppe formt und indem man sich eine Meinung zum Tod bildet ordnet man sich dem zu was man sein will.
Das Streben der Menschen nach Gleichheit, der Wunsch dazu zu gehören, Teil von etwas zu sein, der Durst nach Nähe.Das ist was uns ausmacht und was der Tod uns gibt.

Wenn man stirbt ist es egal ob arm oder reich, schön oder entstellt,
Es ist völlig egal ob man ein schlechter oder ein guter Mensch war.
Wenn Menschen sterben sind sie gleich.
Man muss keine Angst vor dem Tod oder dem Sterben haben.
Man muss nur fürchten, dass die Menschen die man liebt einen vergessen.

In dem Ozean in mir gibt es Eisberge und raue Felsen.
Schattenmonster leben auf dem Grund und fressen mich von innen auf.
Es treibt ein Schiff auf den Wellen, aber ohne Besatzung.
Im Bauch des Schiffes, winzig klein und in einer Truhe verschlossen
liegt mein Herz.
Der Schlüssel ist tief am Meeresgrund von Sand bedeckt.
So vermochten es nicht viele sich Zugang zu verschaffen.
Und wer es geschafft hat wurde enttäuscht, denn mein Herz ist klein, schwach und schreckhaft.
Es schlägt nur leise und manchmal wenn ein Welle über das Schiff schwappt wird es ganz nass und noch kälter als es schon ist.
Und die salzige Flüssigkeit, die sich mit meinem Blut vermischt ist nicht gut für mich.
Sie vergiftet mich leise, langsam.
Schleichend lähmt sie mich und lässt mich Dinge tun die ich verachte.
So hoffe ich, dass der Schlüssel verborgen bleibt.

Tief dort unten im Sand.

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„The words were caught in my mind like in a golden cage, until someone opened the door and set them free.“