2013-01-06

Spiegelbilder

„Nun seht, jetzt geht es los.
 Wenn wir am Ende der Geschichte sind,
 wissen wir mehr als beim Beginn, 
 denn es war ein böser Zauberer,
 es war einer der allerschlimmsten,
 es war der leibhaftige Teufel.
 Eines Tages war er in der köstlichsten Laune,
 denn er hatte einen Spiegel vollendet,
 der die Eigenschaften besaß, alles Gute und Schöne,
 das sich darin spiegelte, 
 fast zu nichts zusammenschrumpfen zu lassen,
 während das, was nichts taugte und sich schlecht ausnahm,
 recht deutlich hervortrat und noch schlimmer wurde“ 
Hans Christian Andersen, die Schneekönigin 

Ein Blick in einen Spiegel, kann traurig machen. Aber auch zufrieden stellen. Er kann einen beleidigen. Aber auch leise Komplimente zuflüstern.
Der Spiegel kann uns täuschen, aber ist er nicht auch die pure Wahrheit?

Ein Spiegel ist auch trügerisch, zeigt er doch nur die kalte Oberfläche und nicht das heiße, pochende Blut und die Gedankenströme, die durch einen Körper fließen. Er zeigt nicht dein Innerstes und wer du wirklich bist. 

Manche Spiegel wollen dich zerstören. Sie lassen dich dick aussehen, machen dich hässlich und alt. Sie zeigen nur deine schlechten Eigenschaften, aber bist du nicht mehr wert als dein Spiegelbild?

Wenn es keine Spiegel gäbe, würde man dann nicht auch niemand mehr wegen seinem Äußeren verspottet werden? 
Wäre nicht die Angst zu groß, dass man selbst nicht so schön ist, wie man sich sein Gesicht vorstellt?
Menschen die jetzt zusammenbrechen, weil sie sich hässlich finden, würden das nicht tun, denn sie wüssten nicht davon. 
Man könnte sich keine Fotos mehr von schönen Menschen im INternet angucken, nur um sich danach noch schlechter zu fühlen, weil keiner mehr welche reinstellt, aus Angst, nicht so schön zu sein, wie die Freunde es von einem behaupten.
Ist die Lösung für dieses gesellschaftliche Problem denn so einfach, so simpel?


3 Kommentare:

  1. http://if-everyone-cared-x.blogspot.de/

    Dies ist nun dein, Jades.

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  2. Ich fürchte, ganz so simpel ist sie nicht. Wer sieht in einem Spiegel schon die Wahrheit? Die Überheblichen finden sich schön, fast unabhängig von ihrem tatsächlichen Aussehen, ebenso wie die Unsicheren sich stets hässlich fühlen. Und trifft die eigentliche Schuld am Schönheitswahn überhaupt die Spiegel oder liegt er im oberflächlichen Wesen der Menschen begründet? Sie werden wohl leider immer einen Anlass finden, sich gegenseitig zu diskriminieren.
    Dennoch eine faszinierende Analyse unserer Gesellschaft und des Stellenwerts, den das Äußere in ihr einnimmt; wie immer vollendet durch einen Hauch von Poesie, wie ich es an deinem Stil so liebe.

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  3. oh gott, dein blog ist wundervoll.
    ich bin fasziniert von deine art zu schreiben,
    die ist sehr wertvoll.
    bitte pass gut auf sie
    und natürlich auch auf dich selbst.

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„The words were caught in my mind like in a golden cage, until someone opened the door and set them free.“