Ich bin wie ein Ozean.
Ungenießbar salzig, kalt und tief.
Immer wieder werfe ich mich gegen die KLippen, ohne Angst vor Schmerz, jedes Mal zerspringe ich und verwandle mich in unzählige kleine Wassertropfen, die nicht lange brauchen um wieder ein Teil der großen Masse zu werden.
Meine Oberfläche ist angenehm kühl, ruhig.
Aber sobald ein Sturm kommt, es reicht auch ein kleiner Wind, schlage ich Wellen und Wellen und Wellen.
Ich werde zornig und wild, töte, was mir im Weg steht.
Rücksichtslose, rasende Blindheit.
Doch genau so schnell ich mich aufrege, beruhige ich mich auch wieder.
Ich mag das Gefühl von Sonnenstrahlen auf meinem Rücken, obwohl ich spüre, dass ich verdunste.
Weißt du, man sieht mir nicht an wie tief ich bin. Denn die wirklich tiefen, dunklen Stellen sind weit draußen, fast schon am Horizont.
Ich bin nicht sonderlich schön für die meisten. Rau, widerspenstig.
Menschen fürchten Dinge, die ihnen nicht gehorchen.
Aber ich verberge die wahre Schönheit in mir.
Korallenriffe, bunte Fische, Anemonen, Blüten aus fremden Stoffen.
Das alles ist in mir und nur wenige können es sehen, nur wenige trauen sich tief genug zu tauchen.
Manchmal bringe ich sie zurück zum Strand, wenn sie zu neugierig werden und alles anfassen, kaputtmachen und beflecken wollen.
Mit drängenden Wellen schubse ich sie dann in den Sand.
Der Sand ist mein Geliebter.
Er bekommt nicht viele Küsse von mir an einem Tag, aber meine sind die zärtlichsten.
Ich halte es nicht lange genug mit ihm aus für eine echte Beziehung, denn sobald ich wieder bei ihm bin, zieht mich der Freiheitsdrang in die Ferne.
Ich bin nicht fähig für eine Beziehung.
Und doch liebe ich ihn, meinen Sand.
Dein Sand ist beides - zu bedauern und zu beneiden. Zu bedauern, weil er dich nicht halten kann und zu beneiden um die Liebe eines so tiefgründigen und auf ganz besondere Art wunderschönen Wesens.
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