2013-01-09

Unterschiede

„Komm, da hinten ist noch Platz im Vierer.“ Alois Hand an meinem Arm. Der Bus ist fast voll, noch zwei Sitzplätze. „Aber da sitzt doch schon jemand drin!“ Ich will nicht dahin.
„Ach, das ist doch nur der Luca! Den kenn ich, der ist korrekt!“ Panik. Er ist nicht „korrekt“.  
Aber Alois hat keine Ahnung, wie es ist nicht akzeptiert zu werden.
Er wohnt hier schon ewig, kennt jeden, mag jeden und wird von jedem gemocht.
Sogar ich mag ihn.
„Geh ruhig, ich bleibe lieber stehen.“ Er sieht mich verwundert an, skeptisch. Dann zuckt er mit den Schultern und geht zu Luca.
Nein, Alois hat keine Ahnung, wie es ist von Luca hässliche Kuh oder Walross genannt zu werden.
Denn Alois mag jeden und wird von jedem gemocht.
Ich kann verstehen, dass ich ein Eindringling bin. Eine außerirdische Lebensform.

Ich habe Angst vor diesen Leuten. Aber gleichzeitig verachte ich ihre Blindheit. Sie wollen mich hier nicht und ich will nicht hier sein. Ich will nichts mit ihnen zu tun haben, lasse sie in Ruhe. Warum ignorieren sie mich nicht einfach?


„Schöne Schuhe!“, brüllt mir Johanna hinterher, als ich schon abgebogen bin, gezogen von dem Dalmatinermischling. 
Sie meint es ironisch, denn sie hasst mich. Neben ihr stand Larissa. Sie hat mich leise gegrüßt, während Johanna mich abfällig angestarrt hatte.
Ich blickte auf meine DrMartens. Was ist falsch daran?
Warum fühle ich mich jetzt schlecht und will die Schuhe am liebsten für immer in den Schuhschrank verbannen?
Ich weiß, dass ich hier nicht willkommen bin. Warum kann ich das nicht akzeptieren?
Jedes Mal werde ich für meine Anwesenheit mit diesen Blicken bestraft. Als hätten sie Angst ich könnte ihre kleine, perfekte Welt untergehen lassen.

1 Kommentar:

  1. Das Erbärmliche an oberflächlichen Menschen ist, dass sie sich ihrer eigenen Dummheit nicht bewusst sind. Eigentlich sind sie es auch gar nicht wert, auf deinem wunderschönen Blog thematisiert zu werden, doch es ist besser, über sie zu schreiben als alles in dich hineinzufressen.

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„The words were caught in my mind like in a golden cage, until someone opened the door and set them free.“